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erstellt: 12.
Januar 2004
aktualisiert: 01. Februar 2004
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Rückblick
von Margrit auf:
„
Wintertour auf der Werra vom 27.12.03
– 30.12.03 “
Von
Creuzburg bis Bad Sooden-Allendorf in vier Etappen
Fünf Paddler, drei Boote, zwei Tipis und ein Hordentopf.
Nachdem ich im Vorfeld der Aktion von Familie und Freunden für völlig
bekloppt erklärt wurde - und Georg dagegen philosophierte, das Wort
Winter könne unter Umständen kälter sein als das Wetter, setzte ich mich über
ersteres wie immer hinweg und packe trotzdem zwei Schlafsäcke ein, die
zusammen bestimmt nordpoltauglich gewesen wären.
Man kann ja nie wissen.
Die diesjährige Wintertour auf der Werra war meine erste GOC-Ausfahrt
überhaupt ( http://www.g-o-c.de ), das
erste Mal fünf Tage Lagerleben am Stück und das gleich im Winter.
Geeignete Ausrüstung musste besorgt werden.
Als unschlagbarer Experte in diesen Dingen bewahrte mich Georg mit gutem Rat
vor mancher Fehlinvestition. Bestückt mit Winterstiefeln, Wachsklamotten und
Hut verschwand mein zeitweilig doch mulmiges Gefühl.
Ich hatte nämlich Ralfs Berichte der früheren Ausfahrten gelesen, in denen
von zweistelligen Minusgraden, eisbrechenden Canadiern und gefrorenem
Trinkwasser die Rede war.
Von Paddlern, die vor dem Aufstehen entfrostet werden mussten.
Mit von der Partie waren diesmal Ralf und Georg im Trip, Peter solo im 16er
Prospector, Claudia und ich in ihrem 17er.
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Das Wintertour-Grüppchen: 1 Solo–Boot mit Peter ...
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... und 2
Tandems mit Claudia und Margrit,
sowie Georg und Ralf
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Peter hatte vorher ausnahmslos schöne Zeltplätze ausgemacht und reserviert
und prima Kartenmaterial besorgt.
Georg hatte die Mensch-, Futter-, und Materialkoordination übernommen, so
dass wir uns bestens vorbereitet in Creuzburg trafen.
Das nasskalte Nieselwetter um den Gefrierpunkt wurde konsequent ignoriert und
konnte unserer guten Laune nichts anhaben.
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Herrliche Zeltplätze entlang des Flüsschens
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Das Wetter wird einfach so genommen wie es kommt
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Paddeltechnisch ist die Werra einfach zu befahren, präzises Anlanden vor den zahlreichen
Wehren und Vesperplätzen sollte man allerdings schon beherrschen.
Die ausreichende Strömung und meist Rückenwind half uns gut vorwärts zu
kommen und 65 km in vier Etappen war nicht zuviel.
Nur manchmal kämpfte Peter mit dem Wind und schielte neidisch auf die
athletischen Bugpaddler der Tandemboote, die hinter der nächsten Biegung
verschwanden - und dort natürlich auf ihn warteten.
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Gleiten
durch eine scheinbar unberührte Natur
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„Exzessives“ Paddeln um die Muskeln zu stählen,
die „härte“ der Tour ist deutlich zu sehen ;-)
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Die Werra schlingt sich um Berge und Burgen und wechselt bei Heldra von
Thüringen nach Hessen.
Meterhohes Schilf am Ufer verdeckt den Blick auf Strassen und lässt uns die
Illusion einer fast unberührten Natur. Hin und wieder mault ein Schwan, aber
man lässt uns passieren.
Eine ausgeklügelte Logistik ermöglichte uns zwei Tagesfahrten ohne Gepäck.
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Kaum eine Menschenseele ist um diese Jahreszeit anzutreffen
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Einer der erlebnisreichen Tage neigt sich dem Ende zu
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Mehrere Wehre mussten umtragen werden, doch einmal führten uns Georg und Ralf
ein besonderes Kunststückchen vor. Sie spazierten und balancierten auf dem
Wehr herum, als müssten sie die Tauglichkeit der Winterstiefel testen.
Die Boote wurden hinunter getreidelt und ich bekam so die Gelegenheit für
meine bisher spektakulärsten Fotos.
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Treideln am
Wehr
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Ob die
Stiefel dicht, vor allem aber hoch genug sind?
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In Eschwege gings quer durch die Stadt, mit hunderten Enten dicht an
Fachwerkhäusern und Vorgärten vorbei. Kinder winkten uns zu und was die Erwachsenen
dachten, will ich nicht wissen. Wir waren in unserer eigenen Welt.
Das weissklirrende sonnige Winterwetter blieb aus. Einen Tag nieselte es, am
anderen verschwanden wir im Nebel.
Am vierten Tag etwas Frost und Reif. Es roch nach weit entferntem Schnee.
Ralf kontrollierte das Thermometer und war enttäuscht, dass die Temperatur
nicht tiefer sinken wollte als minus vier Grad.
Völlig schleierhaft ist mir bis heute, dass ich, als bekennendes Weich-Ei
bei diesen Kühlschranktemperaturen die ganze Zeit nicht ein einziges Mal
gefroren habe.
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Endlich vermittelt Rauhreif etwas Winter-Feeling
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„Geister-Paddler“ im dichten Nebel
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Es hiess andauernd, man müsse kräftig essen. Das taten wir dann auch. Auf vier
Stunden Paddeln kamen vier Stunden Essen, garniert mit ungezählten
"wänzigen Schlöckchen".
Tagsüber vesperten wir Wurst, Speck und Christstollen, erhitzten Glühwein auf
dem Gaskocher und Geschnetzeltes mit Rahmsosse. Mitten in der Landschaft aßen
alle aus einem Topf, ungläubig beäugt von einem einheimischen Passanten.
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Wohlverdiente Vesperpause mit Glüh-„Fein“
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5 ewig hungrige Paddler, 5 Löffel
und 1 Hordentopf mit Geschnetzeltem
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Angebote von mitleidig schauenden Pensionswirten schlugen wir lässig aus, wir
freuten uns auf die wohlige Ofenwärme in unseren Tipis.
Kaum waren diese aufgestellt, der Ofen angeheizt, ging's ans Kochen.
Peters hanseatischer Eintopf aus Bohnen, Birnen (!), Speck, von der
Schwabenfraktion zuerst sehr skeptisch beargwöhnt, war ruckzuck verputzt und
das Rezept sichergestellt.
Gulasch mit Glühweinsosse entstand in einem kreativen Moment.
Bannock, Pfannkuchen, und eine nie dagewesene Maultaschenvariation made by
Georg.
Claudia dagegen hatte ein nicht enden wollendes Süssigkeitenlager und mir
wird langsam klar, was an Ausfahrten so anstrengend sein kann.
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Gemütlichkeit
und behagliche Wärme garantieren die Tipis
mit Georg’s genialem Öfelchen
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Kreative Köche am Werkeln
Einfach immer nur lecker:
Georg’s legendäre Pfannkuchen
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War nicht ein Argument für die Tour nach Weihnachten gewesen, einen
spartanischen Ausgleich in freier Natur zur feiertäglichen Völlerei zu
schaffen?
Vielleicht hab ich das falsch verstanden. Zu Hause angekommen, wog ich
jedenfalls zwei Kilo mehr als vor der Ausfahrt. Muskelzuwachs durch
exzessives Paddeln oder Holzsägen ist es gewiss nicht.
Wir waren ein lustiges Trüppchen. Geschichtenerzähler, Tüftler und Bastler
unter sich.
Wenn wir nicht mit Kulinarischem beschäftigt waren, wurden angeregt Rezepte,
Anekdoten und Bastelideen zur Optimierung der Ausrüstung ausgetauscht.
Ralf zog seine Trappermütze aus Fuchsfell hervor, was mich zu der Überlegung
verleitete, ob ich Omas Pelzmantel zerlegen sollte oder ob eine
Hasenfellmütze vorläufig angemessener wäre.
Allerlei praktische Utensilien für den freilaufenden Paddler kamen zum
Vorschein und wurden zur Nachahmung freigegeben. Ich bin beeindruckt.
Es waren ein paar wundervolle Tage auf dem Fluss und in der frischen Luft.
Unsere gemischte Gruppe aus alten Hasen und Frischlingen war ein gutes Team
und ich hab mich gefreut, mit Claudia endlich noch eine Frau mit
"Paddelmacke" kennen gelernt zu haben.
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Gruppenbildchen mit Handgepäck
(wie immer ganz bescheiden)
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Leider sind die herrlichen Tage schon gezählt
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An Silvester spätabends wieder zu Hause.
In der Badewanne ein wohlverdienter Schmutzrand. Bleierne Müdigkeit streckt mich
nieder. Nicht mal das Feuerwerk um Mitternacht bringt mich aus dem Sessel.
Warum auch.
Was ich in den letzten Tagen erlebte, ist sowieso nicht mehr zu toppen.
So schnell nicht.
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Margrit
(Text und Fotos)
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Peter Bergmann
(Fotos)
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Margrit + 2
kg
(so isses halt, wenn Ratschläge
zu wörtlich genommen werden)
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© Ralf Schönfeld
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